
Auf einer Gemeindeversammlung am 2. Febr. 1909 beschlossen 36 Hattorfer Bürger eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Auf dieser Versammlung wurde bereits das Kommando gewählt.
Zum ersten Ortsbrandmeister wählten die anwesenden Kameraden Friederich Müller, als Hauptmann wurde der Ackermann Friederich Müller gewählt.
Auf der Versammlung wurden gleich alle Aufgaben innerhalb der künftigen Wehr verteilt.
Die Wehr wurde aufgeteilt in die Steigermannschaft, die unmittelbar am Brandherd versucht das Feuer zu löschen; in die Spritzenmannschaft, die mit 8 bis 10 MS (nicht PS) die eigentliche Pumpe in Schwung hielt; in die Wassermannschaft, die für die Wasserzuführung sorgte; und in eine Ordnungsmannschaft.
Die Zugführer und deren Stellvertreter mussten natürlich auch gewählt werden.
Am 28.Februar, knapp vier Wochen später wurde die Satzung zur Genehmigung eingereicht. Interessant ist die Formulierung des ersten einleitenden Satzes :
?Die Freiwillige Feuerwehr ist ein Verein gesunder und kräftiger Männer, welche die Ehrenpflicht übernommen haben, sich durch regelmäßige Übungen bei militärischer Disziplin, die Gesundheit, den Muth und die Ruhe anzueignen, die nöthig sind, um bei Feuergefahr möglichst rasch in zweckmäßiger Weise Hilfe leisten zu können.?
Nicht zu überhören sind die militärischen Töne aus Kaisers Zeiten vor dem ersten Weltkrieg. Trotz des militärischen Anklangs war man sich der regelmäßigen Teilnahme aller eingetragenen Mitglieder nicht ganz sicher. Deshalb wurde in die Satzung gleich ein Paragraph aufgenommen, nach dem Geldstrafen zwischen 50 Pf und 2 Mark verhängt werden konnten, je nachdem, ob der Betroffene zur Übung zu spät kam oder gar ein Schadenfeuer nicht mit bekämpfen wollte. In schweren Fällen konnte ein Mitglied auch ganz vom Dienst suspendiert werden.
Am 25. Juli wurden die Uniformen bestellt. Ein Gifhorner Geschäftsmann kam zum Maßnehmen und spendierte lt. Protokoll dazu ein Fass Bier.
Nachdem die Genehmigung des Regierungspräsidenten eingegangen war, fand am 9. Sept. 1909 die 1. ordentliche Generalversammlung statt.
Am 19.9.1909 versammelte man sich wieder. Auf dieser Sitzung wurde Folgendes beschlossen:
36 aktive Mitglieder der Wehr sind, vor allem wegen der Kosten, ausreichend! Weitere Mitglieder, die es zur Feuerwehr drängt, sollen nur als passive Mitglieder aufgenommen werden. Als solche dürfen sie dafür einen höheren Beitrag als die Aktiven zahlen. Der Beitrag der Aktiven (50 Pf pro Vierteljahr), also insgesamt 18 Mark, wurde sogleich benutzt um ein Signalhorn für 9,50 Mark anzuschaffen. Das Horn war ein wichtiges Instrument : Ein langer Ton erklang für ein Feuer, während zwei kurze Signale zu einem Feuer außerhalb des Dorfes in bis zu 7 Kilometer Entfernung alarmierte.
Der Kassenstand in den allerersten drei Monaten der neuen Wehr war erstaunlich. An Beiträgen waren 18 Mark kassiert worden. Als Starthilfe wurde in der Gemeinde gesammelt. Diese Sammlung erbrachte 235 Mark und die politische Gemeinde zahlte eine jährliche Beihilfe von 100 Mark.
Der allererste Einsatz mit einem Mannschaftswagen zu einem Feuer nach Ehmen brachte 15 Mark in die Kasse.
Um an der Verbandsversammlung in Jembke, die dort aus Anlaß des 25-jährigen Bestehens stattfand, teilnehmen zu können, bestellte man im Juli 1910 die ersten Mützen. Sie kosteten damals 2,25 Mark/Stück. Ein Mützenfabrikant aus Braunschweig kam und nahm Maß. Im Protokoll ist vermerkt:
?der Mützenfabrikant nahm beim Löschen von Bier, welches derselbe gespendet, sämtliche Maße.?
Zur Verbandsversammlung am 17. Aug. 1910 fuhr die Wehr mit dem Fahrrad. Erste Hilfe war auch zu der damaligen Zeit ein Pflichtfach bei der Feuerwehr. Das königliche Landratsamt bestimmte 1910, dass mindestens 3 Mitglieder im Sanitätswesen ausgebildet sein müssten.
Am 14. Mai 1911 kam Kreisbrandmeister Henze um eine Vorstellungsübung abzunehmen. Sie fand am Hause von Willi Sack statt. Kreissekretär und Kreisbrandmeister sprachen sich in Anwesenheit von Feuerwehrleuten der Umgegend lobend und anerkennend aus, was im Protokoll vermerkt ist.
Am 10. Aug. 1911 galt es den ersten Brand in Hattorf zu bekämpfen. Der Zufall wollte es, dass der Brand ausgerechnet bei Willi Sack war, bei dem im Mai die Vorstellungsübung abgehalten worden war. Die hervorragende Leistung wurde von der Feuerversicherung mit einer Prämie von 30 Mark honoriert.
Auch wenn von erfolgreich gelöschten Bränden in den Protokollen der ersten Jahre kaum die Rede ist, die Hattorfer Feuerwehr muss in der kurzen Zeit Ihres Bestehens öfter in den Nachbardörfern gelöscht haben, denn am 17. Januar 1912 wurde der Antrag gestellt, dass die Fahrräder auf anderen Dörfern, wohin die Wehr zur Hilfeleistung musste, besser bewacht werden.
1913 bekam die Wehr eine bespannte Handdruckspritze. Sie ist heute noch einsatzfähig.
Während des 1. Weltkrieges ruhte der Dienstbetrieb der Freiwilligen Feuerwehr, aber erst nachdem jedem im Felde stehenden Kameraden eine Kiste Zigarren übersendet wurde. An die Stelle der Freiwilligen Feuerwehr trat die immer noch vorhandene Pflichtfeuerwehr.
Im Jahr 1919 fand der erste Ortsbrandmeisterwechsel statt. Die aktiven Kameraden wählten Friederich Thiele zum neuen Ortsbrandmeister.
Im Febr. 1920 wurde vom Gemeindeausschuss der Antrag gestellt, dem Verkauf der alten, von der Pflichtfeuerwehr übernommenen Spritze zuzustimmen. Man sei nicht zuständig, darüber müsste das ganze Dorf befinden, wurde beschlossen.
Im gleichen Jahr wurde bei der Gemeinde beantragt, das Spritzenhaus mit elektrischem Licht zu versorgen.
Jährlich wurden die Fahrer von Spritze, Mannschaftswagen und Wasserwagen bestimmt. Dazu gehörte schon viel Idealismus, denn es mussten die Pferde gestellt werden und für den Fall eines Alarmes mussten die Fahrer immer einen Mannschaftswagen und Wasserwagen parat haben.
Einige Kameraden schienen es auch damals schon mit dem Dienst nicht so genau genommen zu haben, denn im Oktober 1920 wurde der Beschluss gefasst:
?Wer bei Übungen und Appellen unentschuldigt fehlt, muss 3 Mark in die Kasse zahlen.?
Bei auswärtigen Bränden musste bis zu 7 km ausgerückt werden, auch ins Braunschweigische Grenzgebiet, wie im Protokoll vermerkt ist. Auch Übungen mit den Feuerwehren in Beienrode und Flechtorf sind aktenkundig.
Nach 2 Jahren übergab Friederich Thiele 1921 das Amt des Ortsbrandmeisters an Friederich Linne.
Bereits 1924 fand dann der nächste Ortsbrandmeisterwechsel statt. Die Kameraden wählten Ewald Loßmann zum Nachfolger von Friederich Linne.
1925 nahm die Wehr an der Bezirksübung teil. Die Kameraden hatten sich durch Vorübungen darauf vorbereitet.
Folgender Einsatzbericht ist in den Zwanziger Jahren vermerkt:
?Die Wehr war zu einem Brand am Pfarrhaus in Mörse alarmiert worden. Ernst Jürges hatte Dienst als Fahrer des Mannschaftswagens. Die Hattorfer hatten schon immer viel für die Kirche über. Also nahm Ernst Jürges zwei seiner feurigsten Füchse, spannte an, ließ aufsitzen und ab ging die Fahrt. Die Rauchsäule vor Augen achtete er darauf, daß die Pferde so schnell liefen wie sie nur konnten. In Mörse angekommen wollte er den Kameraden den Einsatzbefehl geben, er dreht sich um, und siehe da es war niemand mehr auf seinem Wagen. Bei der rasenden Fahrt über Stock und Stein hatten die Feuerwehrkameraden Angst bekommen und waren einer nach dem anderen abgesprungen. Aber Pflicht ist Pflicht, nach einiger Zeit kamen sie zu Fuß an, und mit den Löscharbeiten konnten begonnen werden.?
Da die Wasserversorgung im Oberdorf problematisch war, wurde 1927 beantragt eine elektrische Druckpumpe an der Schunter zu installieren, um Wasser ins Oberdorf pumpen zu können.
Bis 1928 sind noch gemeinsame Übungen von Freiwilliger- und Pflichtfeuerwehr im Protokoll vermerkt.
1930 wurde eine Motorspritze beantragt.
1931 wiederholte man den Antrag und bot eine Mitfinanzierung durch die Wehr an. Aber die Gemeinde sah sich dazu nicht in der Lage, eine solche Pumpe anzuschaffen.
1945 übernahm die Feuerwehr aus dem Nachlaß des Luftwaffentanklagers in Ehmen zwei reparaturbedürftige Tragkraftspritzen mit etwas Schlauchmaterial.
Im Oktober 1948 wurde zur Neubildung der Freiwilligen Feuerwehr Hattorf aufgerufen. Neben den 13 verbliebenen Feuerwehrmännern, meldeten sich 20 sogenannte Jungmänner für den Feuerwehrdienst.
1950 baute die Wehr in Eigeninitiative ein neues Feuerwehrgerätehaus.
1955 wurde der Wehr von der Gemeinde Hattorf eine neue Tragkraftspritze (TS-8 ) übergeben.
Mit der Anschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeuges TSF-T vom Typ VW begann 1962 in der Hattorfer Wehr die Vollmotorisierung.
1967 wurde ein Spielmannszug gegründet, der noch heute mit großem Erfolg tätig ist.
Die Jugendfeuerwehr wurde 1970 gegründet und dient der Wehr auch heute noch als Nachwuchsreservoir.
Mit der Eingemeindung 1972 in die Stadt Wolfsburg wurde die Wehr bedarfsmäßig ausgestattet.
Als erstes wurde das TSF-T ausgemustert und durch ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Staffelbesatzung TSF vom Typ VW-LT ausgewechselt, dazu kam noch ein Mannschaftstransportwagen (MTW).
Im Oktober 1982 konnte die Wehr die Einweihung des umgebauten Feuerwehrhauses begehen.
Nach 20 jähriger Dienstzeit als Gemeinde- und Ortsbrandmeister legte Siegmund Spanuht 1982 sein Amt nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Friedrich Werthmann gewählt, der 1992 aus Altersgründen zurücktrat.